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Sorge ums Gesundheitssystem, Vertrauen vor Ort: Die palliative Versorgung im Kreis Gütersloh

Teambesprechung Versorgungsstrukturen

Die Zukunft von Pflege und Gesundheitsversorgung – ein Thema, das uns alle aktuell wieder sehr beschäftigt. Steigende Beiträge, Finanzierungslücken, Diskussionen um Krankenhaus- und Pflegereformen – wer die Nachrichten verfolgt, bekommt schnell den Eindruck, dass vieles im Umbruch ist und nichts mehr sicher scheint.

Was in dieser großen, oft abstrakten Debatte leicht untergeht: die ganz konkrete Frage, die sich Menschen stellen, wenn jemand in ihrer Familie lebensverkürzend erkrankt. Nicht „Wie finanziert sich das System?“, sondern: „Wie können wir versorgt werden, wenn die Zeit kommt? Zuhause, im Hospiz, oder im Krankenhaus?“

Auf diese Frage gibt es lokal im Kreis Gütersloh Antworten – hier gibt es für das Lebensende ein Versorgungsnetz, das viele Menschen gar nicht kennen, bis sie es plötzlich brauchen.

Vier Wege, ein gemeinsames Ziel

Im Kreis Gütersloh arbeiten die palliativen Versorgungsanbieter eng zusammen. Sie verfolgen alle dasselbe Grundverständnis: den schwer erkrankten Menschen mit seinen Zugehörigen in den Mittelpunkt zu stellen, körperliche, psychische, soziale und spirituelle Bedürfnisse ernst zu nehmen – und Selbstständigkeit sowie Lebensqualität so lange wie möglich zu erhalten. Welcher Weg der passende ist, hängt von der ganz persönlichen Situation ab. Häufig ist es auch eine Kombination mehrerer Angebote.

Zuhause bleiben, mit Unterstützung: der ambulante Hospizdienst

Wer zu Hause versorgt wird, muss damit nicht allein sein. Die ehrenamtlichen Begleiter:innen unseres Vereins (und im Kreis aus verschiedenen hospizlichen Initiativen) kommen in der Regel einmal pro Woche für etwa eine Stunde – zu Hause, ins Alten- und Pflegeheim, in Wohngemeinschaften, ins Krankenhaus, in Einrichtungen der Behindertenhilfe oder ins stationäre Hospiz. Sie übernehmen keine Krankenpflege, aber sie schenken Zeit, führen Gespräche, entlasten Angehörige und halten die Situation gemeinsam mit den Betroffenen aus. Der Dienst ist kostenfrei.

Medizinische Begleitung im häuslichen Umfeld: das Palliativnetz Gütersloh

Wer zu Hause bleiben möchte, aber medizinische Unterstützung braucht, findet sie beim Palliativnetz Gütersloh. Hausbesuche, Koordination des Unterstützungsbedarfs, Beratung zu Schmerztherapie und anderen palliativmedizinischen Fragen sowie eine ständige ärztliche Hintergrund- und Notfallbereitschaft sollen ermöglichen, dass Menschen in ihrem gewohnten Umfeld gut versorgt bleiben und dort auch sterben können, wenn sie das möchten. Die Kosten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. Anmeldung und Kontaktaufnahme erfolgen über die Haus- und Facharztpraxis.

Wenn es intensiver wird: die Palliativstation im Klinikum Gütersloh

Manche Krankheitsverläufe machen eine intensivere Behandlung notwendig. Die Palliativstation im Klinikum Gütersloh bietet acht Behandlungsplätze für Menschen mit einer nicht heilbaren, weit fortgeschrittenen Erkrankung. Im Mittelpunkt steht die Linderung belastender Symptome wie Schmerzen, Luftnot oder Übelkeit sowie die Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung. Eine permanente ärztliche Bereitschaft ist gegeben. Primär wird angestrebt, Patient:innen wieder nach Hause zu entlassen oder in die stationäre Pflege beziehungsweise das stationäre Hospiz überzuleiten. Ist auch das nicht mehr möglich, ermöglicht die Station ein würdevolles Sterben mit Begleitung der Familie. Eine Aufnahme erfolgt nur mit ärztlicher Einweisung.

Wenn die Versorgung zu Hause nicht mehr reicht: das stationäre Hospiz

Manchmal lässt sich eine gute Versorgung zu Hause nicht mehr leisten – auch nicht mit ambulanter Unterstützung. Dann kann das stationäre Hospiz in Frage kommen. In acht Einzelzimmern mit wohnlicher Atmosphäre erfahren schwer kranke Menschen in ihrer letzten Lebensphase Fürsorge, Beistand und Pflege. Es geht nicht um die Verlängerung oder Verkürzung des Lebens, sondern darum, Leiden zu lindern und Lebensqualität zu bewahren – ein „Leben im Sterben“ zu ermöglichen. Dazu gehören pflegerische, psychosoziale und spirituelle Begleitung, gemeinschaftliche und individuelle Angebote, Verabschiedungsrituale und Trauerbegleitung. Die Kosten übernehmen in der Regel die Kranken- und Pflegekassen, häufig auch private Versicherungen.

Wenn der Wunsch und die Möglichkeiten auseinanderfallen

Nicht jede Situation lässt sich eindeutig einem dieser vier Wege zuordnen. Manchmal wünscht sich jemand, zu Hause zu sterben, während die Versorgung das kaum noch leisten kann. Manchmal stehen medizinische Möglichkeiten und der erklärte Wille eines Menschen im Widerspruch zueinander. Für genau solche Situationen gibt es bei uns die ambulante Ethikberatung: ein Angebot, das Betroffene, Angehörige und beteiligte Fachkräfte dabei unterstützt, in schwierigen Entscheidungssituationen am Lebensende Klarheit und gemeinsame Lösungen zu finden.

Für den Kreis Gütersloh

Wie sich das große Gesundheitssystem in den kommenden Jahren verändert, wird sich erst noch zeigen. Was sich nicht ändert, ist der Anspruch, mit dem die vier Akteure vor Ort gemeinsam antreten: für ein würdiges Leben im Sterben. Dieses Netz ist gewachsen, weil Menschen im Kreis Gütersloh seit Jahren bereit sind, sich füreinander einzusetzen – als Hauptamtliche in Pflege, Medizin und Koordination, als Ehrenamtliche an der Seite Schwerkranker und ihrer Familien. Mitmenschlichkeit lässt sich nicht verordnen. Sie wird gelebt, jeden Tag, von vielen Menschen gemeinsam.

Hier können Sie unseren Flyer Palliative Versorgungsstrukturen herunterladen

Unser Spendenkonto:

Volksbank in Ostwestfalen
IBAN DE17 4786 0125 1012 9107 00
BIC GENODEM1GTL

Hospiz- und Palliativ-Verein Gütersloh e. V.

Hochstr. 19 | 33332 Gütersloh

05241 70 890 24

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