Musik ist seit Jahren fester Bestandteil unseres Angebots im stationären Hospiz. Sie ist Teil unseres psychosozialen Angebots – also aller Angebote, die die emotionale, seelische und soziale Begleitung der Gäste umfassen – und damit ein fester Baustein unseres ganzheitlichen Ansatzes.
Seit September 2025 gestaltet die Musiktherapeutin Sita Willking dieses Angebot für unsere Gäste.
„Musik begleitet mich schon mein ganzes Leben“, erzählt die 37-Jährige. Mit neun Jahren begann sie Querflöte zu spielen, später kamen Klavier, Gitarre und Gesang hinzu. Musiktherapie studierte sie in Enschede, Niederlande und arbeitet seit 2012 in diesem Beruf. Neben dem Hospiz ist sie auch in der Kinder- und Jugendpsychiatrie tätig. „Die Arbeit im palliativen Bereich empfinde ich als sehr erdend. Es geht stark um das Hier und Jetzt, um den Ist-Zustand eines Menschen.“
Psychosoziale Begleitung – ein wichtiger Baustein
Die psychosozialen Angebote im Hospiz umfassen verschiedene Gesprächsangebote, Besuche von Klinik-Clowns und regelmäßig die Musiktherapie. Sie ist kein „Extra“, sondern ein integraler Bestandteil unseres ganzheitlichen Ansatzes: Menschen in ihrer Gesamtheit wahrzunehmen, nicht nur medizinisch oder pflegerisch zu begleiten.
„Musik kann ausdrücken, was Worte oft nicht mehr schaffen“, sagt Sita. „Sie kann Erinnerungen wecken, Gefühle zulassen, beruhigen oder aktivieren. Sie verändert Atmung und Puls, kann trösten, ablenken oder Kraft geben. Mit diesen Wirkungen arbeite ich bewusst.“
Musiktherapie wirkt auf Körper und Seele
Forschungen zeigen: Musik kann Stress reduzieren, Angst lindern und das Schmerzempfinden positiv beeinflussen. Sie kann den Herzschlag beruhigen, emotionale Prozesse unterstützen und soziale Verbundenheit stärken. In der Musiktherapie geht es nicht um Leistung, sondern um Resonanz, Ausdruck und Begegnung.
„Musik kann heilsam sein, tröstend, aktivierend – aber auch wild, chaotisch oder leise“, erklärt Sita. „Wut, Zweifel oder Trauer dürfen genauso da sein. Jeder Ton ist wichtig, jede Pause ebenso.“
Am Bett, im Moment
Die Musiktherapie findet meist direkt am Bett der Gäste statt. Manche gestalten aktiv mit, andere empfangen die Musik und lassen sie auf sich wirken. „Viele erleben die Musik wie ein Geschenk“, sagt Sita. Ein zentrales Instrument ist ihre Stimme, mal begleitend zur Gitarre, mal nur leise tönend oder auch Lieder singend, die Gäste sich wünschen. Besonders häufig nutzt sie auch die Körpertambura – ein Saiteninstrument, das aufgelegt wird und seine Schwingungen unmittelbar entfaltet. „Viele empfinden das wie eine Klangmassage“, beschreibt es die Musiktherapeutin. „Die Vibrationen und Obertöne können Muskeln lockern, Verspannungen lösen und so tief entspannen, dass Gäste nicht selten dabei einschlafen.“
Musik auch für Zugehörige
Wenn Zugehörige anwesend sind, können sie Teil der Musiktherapie sein. Gerade in Abschiedssituationen schafft Musik Nähe, Raum für Trauer und gemeinsame Erinnerungen. „Viele Zugehörige empfinden die Musik als entlastend. Es ist okay zu weinen, wenn jemand anders spielt. Und es ist ebenso in Ordnung, schweigen zu dürfen und nicht die ‚richtigen‘ Worte suchen zu müssen“, erzählt Sita.
Offen für alle – auch ohne musikalische Vorerfahrung
Die Reaktionen der Gäste sind unterschiedlich: offen, neugierig, zurückhaltend oder zunächst skeptisch. Häufig hört Sita Sätze wie: ‚Ich bin gar nicht musikalisch.‘ Doch das spiele keine Rolle: „Musik ist allgegenwärtig – jeder kennt sie. Nach einem kurzen Zögern wird sie meist gut angenommen.“
So wird Musiktherapie zu einem wiederkehrenden Moment der Ruhe, des Ausdrucks und der Verbindung – immer genau abgestimmt auf das, was jede Person gerade braucht.







